Da schlummern noch Kräfte

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen-unserem Ort geht es nicht gut. Und das nicht erst seit heute oder gestern. Immer wenn man glaubt das der Tiefpunkt erreicht ist, passiert etwas, was einem schnell vom Gegenteil überzeugt. Schlimmer geht immer! Das könnte der neue Slogan für Küstrin-Kietz werden.

Die völlig überraschende, obendrein mit fadenscheinigen Argumenten gespickte Ablehnung des dringend benötigten, bereits “ in Sack & Tüten“ geglaubten Ausbau des Bahnhofsgeländes gehört zweifels ohne zu den besagten Beweisen, dass Küstrin-Kietz stets für eine besondere Idiotie gut ist.

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Da schlummern noch Kräfte, lautete auch der Titel eines im “ Neuen Tag“ im Dezember 1983 über unseren Ort erschienen Berichtes. Man beachte die Aufzählung der damals vorhandenen Betriebe, Einrichtunge und Sportvereine. Beachtlich auch die Einwohnerzahl von 1125. Demnach hat Küstrin-Kietz, trotz des starken Zuzugs aus dem Nachbarland, mittlerweile über dreihundert Einwohner verloren.

Jetzt muss ich mich erneut wiederholen: Das muss erstens nicht so sein und zweitens nicht so bleiben! Wir besitzen nämlich, man höre und staune, ideale Vorraussetzungen für den Tourismus. Leben wir doch in Mitten einer Gegend, in der so manches Mal Geschichte geschrieben wurde. Und dann noch diese herrliche Natur!

Alles nichts neues, werden jetzt manche denken. Stimmt! Das ist neues. Ebenso wenig neu dürfte sein, dass es im letzten Vierteljahrhundert nicht an Ideen gefehlt hat, den Tourismus zum Wohl des gesamten Dorfes anzukurbeln. Beim recherchieren im Internet bin ich auf Zeitungsartikel aus den Neunziger Jahren gstoßen, in den ein Bürgermeister Namens Zühlke, vielleicht kann sich ja noch jemand an den wackeren Mann erinnern, “ in Kürze beginnende Baumaßnahmen auf der Oderinsel“ ankündigte. Zum letzten Mal 1996. Das Ergebnis ist bekannt.  Was nutzen die besten Ideen, wenn sie niemand in die Tat umsetzt?

Zwölf Jahre später, im Jahr 2008, wurde im Kulturhaus zu einer Ideenbörse aufgerufen. Alle Einwohner konnten ihre Vorschläge betreffs der Entwicklung des Tourismus auf einen Zettel notieren und diesen dann in eine Kiste werfen. Laut “ MOZ“ sollen dabei eine Menge Ideen zusammengekommen sein.

Schön. Leider scheinen die Ideen noch heute in der Kiste zu liegen. Den Initiatoren dieser begrüßenswerten Aktion trifft absolut kein Vorwurf. Auch nicht Bürgermeister Zühlke und allen anderen die sich im Laufe der Jahre den Kopf über die Zukunft unseres Ortes zerbrachen, Visionen entwarfen und über kurz lang resigniert das Handtuch warfen.Hier haben ganz andere versagt. Und zwar massiv!

Man kann das bereits an einem ganz einfachen Beispiel belegen: Immer mal wieder, in gewissen Abständen, wird von einigen Mitbürgern darüber fabuliert, dass Küstrin-Kietz und Kostrzyn eigentlich doch eine zusammenhängende Stadt sind. Schließlich waren doch Küstrin-Kietz bis 1945 der Vorort von Küstrin. Da könnte es doch sein, dass in absehbarer Zeit eine Wiedervereinigung der durch die Grenze geteilten Stadt zu feiern ist.

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Die Umgebung von Küstrin-Kietz ist voller besonderer Reize.

Abgesehen davon,dass sich die Welt seit 1945 mehrmals um die eigene Achse gedreht hat und solche Gedanken Wasser auf die Mühle der “ PIS“-Partei sind, bestehen zwischen Küstrin-Kietz und Kostrzyn kaum offizielle Kontakt. Und das im Jahr 2016! Vierundzwanzig Jahre nach der Eröffnung des örtlichen Grenzübergangs. Au Backe, eigentlich müsste jetzt bei jemandem   im Amt Golzow die Ohren klingeln.

Wenn es auch aus naheliegenden Gründen weder eine Wiedervereinigung noch eine Wiedergeburt der Soldatenstadt Küstrin mehr geben wird und geben kann, eine Partnerschaft auf Augenhöhe wäre sicherlich möglich. Kann mir mal jemand verraten, warum unsere Lokalpolitiker den Weg ins Rathaus von Kostrzyn nicht finden? Dabei befindet sich das nicht zu übersehende Gebäude nur wenige Meter hinter dem Ortsausgang von Küstrin-Kietz! Zwar jenseits der Grenze, nichts desto Trotz jedoch mühelos erreichbar.

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Liebe Leute in der Amtsverwaltung Golzow: bei dem großen Gebäude auf der rechten Seite handelt es sich um das Rathaus von Kostrzyn. Keine Angst, der Bürgermeister beißt nicht!

Was könnte man nicht alles gemeinsam erreichen? Zum Beispiel den Aufbau eines gemeinsamen grenzüberschreitenden touristischen Netzwerkes. In dem Küstrin-Kietz durchaus eine eigene feste Position einnehmen könnte. Entgegen mancher Unkenrufe und wie oben bereits angedeutet, wir haben vielmehr zu bieten, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Wir müssen dieses Potential lediglich erkennen und endlich nutzen. Küstrin-Kietz ist mehr als nur ein ehemaliger Vorort einer im Zweiten Weltkrieg untergegangenen Stadt von historischer Bedeutung. Unser Ort verfügt über eine eigene, ebenso spannende wie wechselvolle Geschichte.

Ja, verdammt: Sätze wie diesen habe ich in  ähnlichen Beiträgen bereits gefühlte hundert Mal von mir gegeben. Na und? Manche Sätze kann man einfach nicht offen genug niederschreiben!!

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In Küstrin-Kietz herrscht den ganzen Tag über gähnene Leere. Während nur wenige Kilometer weiter östlich das Leben pulsiert.

 

So und jetzt zum eigentlichem Anliegen: Zurzeit brüte ich mit einigen anderen über einem möglichst ausgewogenem Tourismuskonzept. Dessen Ziel darin liegt, dass es in unserem arg gebeutelten Dorf endlich wieder ein wenig aufwärts geht. Garantien dafür kann niemand geben. Abschreckende Beispiele von “ an die Wand gelaufenen Visionären“ gibt es schließlich bereits in Hülle und Fülle.

Trotzdem: Wer kämpft kann verlieren. Aber wer nicht kämpft, hat bereits verloren. Darum bitte ich euch alle, beteiligt euch mit euren Vorschlägen an dem Tourismuskonzept. Schickt mir eure Ideen, ruft mich an, redet mit mir. Je mehr sich daran beteiligen, desto besser.

Spinnen wir doch einfach mal ein bisschen. Wie könnte Küstrin-Kietz im günstigsten Fall im Jahr 2026 aussehen?

Zum Beispiel so:

Am Bahnhof steigen täglich hunderte Touristen ein und aus. Wer die Umgebung nicht mit dem eigenen Fahrrad erkunden möchte, steigt in einen der hier wartenden Busse. Das Umfeld des Bahnhofs sieht ordentlich und gepflegt aus. Längst vergessen die Zeiten, als hier noch täglich bis zu zweihundert Fahrzeuge kreuz und quer parkten, den übrigen Verkehr behinderten und für Unmut sorgten.

In der Touristik-Information im Bahnhofsgebäude erfahren die angekommenden Reisenden alles Wissenswerte über Küstrin-Kietz und Umgebung.

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Der Oderdamm erfreut sich bei Radwanderern beiderseits der Grenze einer stetig wachsenden Beliebtheit.

Den notwendigen Proviant können sie sich im großen Einkaufsmarkt südlich des Bahnhofs kaufen. Hier ist ein wenig Geduld gefragt. Schließlich ist der Einkaufsmarkt nicht nur bei Touristen, sondern auch bei den Einwohnern von Küstrin-Kietz und Kostrzyn gleichermaßen gefragt.

Hektik ist jedoch nicht angebracht. Die Erkundungstouren können durchaus über mehrere Tage ausgedehnt werden. Ein Bett für die Nacht lässt sich in einer der vielen Pensionen, unter anderem in der früheren Dorfschule, mühelos finden.

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Die ehemalige Kietzer Dorfschule. Hier könnte in einigen Jahren eine Pension für Fahrradfahrer entstehen. So Gott, oder die Baubehörde wollen. Was ja über weite Strecken auf das selbe hinauskommt.

 

Jetzt geht es auf Erkundungstour. Informationstafeln geben in Schrift und Bild, interaktiv Auskunft über Natur und Geschichte.  Kundige Wanderführer lotsen Touristengruppen zu den versteckten Highlights von Küstrin-Kietz. Das nicht nur bei Deutschen sondern mittlerweile auch im Nachbarland Polen als beliebtes Ausflugziel gilt.

So oder wenigstens so ähnlich könnte unsere Zukunft im Jahr 2026 aussehen. Also Leute, her mit euren Ideen!!

Uwe Bräuning

E-Mail: uwebraeuning1047@googlemail.com

 

 

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Autor:

Ich lebe seit über fünfzig Jahren im Oderbruch. Seitdem ich denken kann, interessiere ich mich für die Geschichte aber auch für die Gegenwart und Zukunft dieser einzigartigen Region, im äußersten Osten Deutschlands. So weit es mir möglich ist, möchte ich die reichhaltige Geschichte erforschen, aufschreiben um diese für die Nachtwelt zu erhalten. Zur Geschichte gehört ausdrücklich, auch das selbst erlebte, unser eigenes Leben. Eine weitere Leidenschaft von mir ist die Erforschung und der Erhalt der Natur meiner Heimat. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, dem können die immer deutlicher zu Tage tretenden Umweltschäden nicht verborgen bleiben. Schäden die wir alle zu verantworten haben. Schäden, die jedoch oftmals verhindert werden könnten. Naturschutz geht uns alle an! Wir alle, vor allem aber unsere Nachkommen werden davon profitieren. Leider ist zurzeit um den Naturschutz, aus verschiedenen Gründen, im Oderbruch nicht gut bestellt. Einige Aspekte werden als "Gängelei" empfunden oder einfach nur falsch verstanden. Gleichgültigkeit und Unkenntnis spielen eine weitere, nicht unerhebliche Rolle. Dazu kommt, dass die im Oderbruch stark vertretene " Bauern-Lobby" offenbar durch den Naturschutz finanzielle Einbussen befürchtet und gegen geplante Naturschutzmaßnahmen polemisiert. Obwohl gerade die Landwirte eigentlich kein gestörtes Verhältnis zur Natur haben sollten. Hier ist Aufklärung gefragt! Damit nicht noch der letzte Rest Natur im Oderbruch in trockenes staubiges Ackerland umgewandelt wird.

Ein Kommentar zu „Da schlummern noch Kräfte

  1. Ja Uwe da gebe ich dir vollkommen recht
    Umbau des Kasernengeländed in Übernachtungsmöglichkeiten mit Gastronomie. Kleine Oderrunffahrten der Fischer würde sich anbieten.Führungen durch die Altstadt in Kooperation. Im Ort selbst Fahrradverleih, Geführte Wanderungen , kleiner Campingplatz Nähe der Oder. Ideen sind da nurbrauch man Investoren ihr müßte auf sie zugehen und ihnen was anbieten. Habt Mut,

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